Inter­sek­tio­na­le Gesundheit

Ich war sehr sehr begeis­tert von dei­nem Vor­trag und die Teil­neh­men­den waren auch hin und weg von dir. Ich fin­de es sehr eein­dru­ckend, wie sehr dei­ne Per­sön­lich­keit sogar über eine Online-Prä­sen­ta­ti­on gestrahlt hat. Man hat direkt ein Gefühl dafür, wie du arbei­test.

Geschäfts­füh­ren­de Bil­dungs­re­fe­ren­tin, Gen­der­trai­ne­rin
LAG Mäd­chen und jun­ge Frau­en in Sach­sen e.V.

Inter­sek­tio­na­li­tät- was ist das überhaupt?

Wir leben, fast über­all auf der Erde, in Gesell­schaf­ten, die von Macht­struk­tu­ren geprägt und gestal­tet sind. Eine Macht­struk­tur kann zum Bei­spiel dar­an erkannt wer­den, dass die einen Per­so­nen, näm­lich die Pri­vi­le­gier­ten, als „rich­tig“ in Wahr­neh­mung und Auf­fas­sung dar­ge­stellt wer­den und die ande­ren Per­so­nen, näm­lich die Benach­tei­lig­ten, als „falsch“ bzw. feh­ler­haft und unzu­rei­chend.
Macht­struk­tu­ren, in denen Benach­tei­li­gung bzw. Pri­vi­le­giert­heit auf­tre­ten sind z.B. Klas­sis­mus, Ras­sis­mus, Sexis­mus, Hete­ro-Sexis­mus, Body­is­mus, Anti­se­mi­tis­mus und vie­le mehr. Die­se Macht­struk­tu­ren bie­ten bedau­er­li­cher­wei­se den Rah­men für die Gesell­schaft, in der wir leben und prä­gen z.B. Poli­tik, Medi­en und natür­lich jedes ein­zel­ne Leben.
Inter­sek­tio­na­li­tät fin­det dann statt, wenn eine Per­son auf meh­re­ren Ebe­nen Dis­kri­mi­nie­rung aus­ge­setzt ist, oder als Kind aus­ge­setzt war, wenn sich also zwei oder mehr Sek­tio­nen kreu­zen.
Mit dem Kon­zept Inter­sek­tio­na­le Gesund­heit oder Gesund­heit für Men­schen mit Inter­sek­tio­na­li­täts­er­fah­rung, haben wir Men­schen im Blick, die struk­tu­rel­ler Benach­tei­li­gung in ver­schie­de­nen Berei­chen aus­ge­setzt sind und gleich­zei­tig gesund, selbst­be­stimmt und fröh­lich leben möchten.

In einem Gesund­heits­work­shop einig­ten sich zwölf Mäd­chen und jun­ge Frau­en hin­sicht­lich der Fra­ge „Was heißt für Dich gesund sein?“ auf die gemein­sa­me Ant­wort:“ Gesund bin ich, wenn ich rich­tig bin!“.

Rich­tig sein, sich selbst als genau rich­tig zu akzep­tie­ren und anzu­er­ken­nen ist not­wen­dig, um selbst­be­stimmt und wirk­mäch­tig zu leben. Metho­de und Aus­druck von Macht­struk­tu­ren ist es aber, den Benach­tei­lig­ten die eige­ne Wirk­mäch­tig­keit und Defi­ni­ti­ons­macht abzu­spre­chen bzw. zu erschwe­ren.
Für ein Leben in Selbst­be­stim­mung ist es also not­wen­dig, einen siche­ren Raum zu haben, in dem die eige­nen Wahr­hei­ten und Per­spek­ti­ven wahr­ge­nom­men und aus­ge­spro­chen wer­den können.

Im inter­view des AKF auf die Fra­ge war­um Ras­sis­mus-Sen­si­bi­li­sie­rung in der Frau­en-Gesund­heits­ar­beit wich­tig ist einig­te ich mich mit den Kol­le­gin­nen Sabou­ra Naqsh­band und Deni­se Ber­gold-Cald­well auf die Fol­gen­de Antwort:“…Alltäglicher Ras­sis­mus über Zuschrei­bun­gen ist wie eine Dau­er­be­schal­lung und natür­lich viel häu­fi­ger als gewalt­vol­le Über­grif­fe von Rechts­ra­di­ka­len. Er wird stän­dig erlebt und nie­mand berich­tet dar­über. Frau­en und Mäd­chen sind in beson­de­rer Wei­se betrof­fen, weil sie in vie­ler­lei Hin­sich­ten Über­grif­fen (auch wört­li­chen) anders aus­ge­setzt sind.
Durch die Ver­schrän­kung von sexis­ti­schen und ras­sis­ti­schen Struk­tu­ren kann es zu Mar­gi­na­li­sie­rung kom­men. Wenn dann auch noch Klas­sis­mus dazu kommt, ent­steht eine beson­ders geball­te Form der Inter­sek­tio­na­li­täts­er­fah­rung, die eine gesell­schaft­li­che Teil­ha­be sehr schwer machen kann. Teil­ha­be ist aber für eine gesun­de Psy­che und auch für Gesund­heit im All­ge­mei­nen unabdingbar.“

Das gan­ze Inter­view hier:
https://​www​.arbeits​kreis​-frau​en​gesund​heit​.de/​2​0​1​8​/​0​1​/​1​1​/​d​a​s​-​a​k​f​-​i​n​t​e​r​v​i​e​w​-​n​r​-​1​3​-​r​a​s​s​i​s​m​u​s​-​i​n​-​d​e​r​-​f​r​a​u​e​n​g​e​s​u​n​d​h​e​i​t​s​s​z​e​n​e​-​i​n​-​d​e​u​t​s​c​h​l​a​nd/

Unse­re Metho­den die­nen vor­ran­gig der Stär­kung und Sta­bi­li­sie­rung von Men­schen, die von den nega­ti­ven Aus­wir­kun­gen von Inter­sek­tio­na­li­tät betrof­fen sind. Sie wur­den inspi­riert und zusam­men­ge­tra­gen aus der sys­te­mi­schen The­ra­pie, der Hyp­no­the­ra­pie (nichts ist wirk­mäch­ti­ger als unse­re inne­ren Bil­der), der Kör­per­ar­beit, der Tanz- und Sexu­al­päd­ago­gik. Wir arbei­ten mit Ein­zel­per­so­nen, Paa­ren, Fami­li­en und Teams, immer mit dem Ziel eines gerech­ten Lebens auf Augen­hö­he für alle Beteiligten.